Die Fumetto-Zeitschrift

Von Juliette Wyler, 17. September 2026

Was 1992 mit einem Comicwettbewerb begann, entwickelte sich rasch zu einem der bedeutendsten Comicfestivals Europas. Seit den Anfängen begleitet eine eigene Festivalzeitschrift das Fumetto als Programmheft und zugleich als seine Chronik. Die ZHB sammelt die Zeitschrift und macht die vollständige Sammlung auch online zugänglich.

Die Festivalzeitschrift als Spiegel der Entwicklung

Zu jeder Fumetto-Ausgabe erscheint eine eigens gestaltete Festivalzeitschrift, als kostenloser Festivalbegleiter mit allen wichtigen Informationen und einem bewusst freigelassenen unteren Seitenrand für die Signaturen der Kunstschaffenden. Im Laufe der Jahre wechselten Name, Konzept und Format mehrfach. Seit 2003 wird die Zeitschrift vierfarbig produziert und seit diesem Jahr erscheint sie im handlichen Bilderbuchformat. Stillstand war bei Fumetto nie Teil des Programms.

Die ganze Stadt wird zur Bühne

Jedes Frühjahr verwandelt das Festival Luzern in einen weitläufigen Ausstellungsraum und zeigt, wie vielfältig, experimentell und gesellschaftlich relevant das Medium Comic ist. Von Beginn an setzte Fumetto auf Nachwuchsförderung. Bereits die erste Ausgabe umfasste einen internationalen Wettbewerb – bis heute das Herzstück des Festivals. Ab 1995 wurden renommierte Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt eingeladen. Mit dem stetigen Wachstum entstanden Ausstellungen an den unterschiedlichsten Orten in der Stadt – ein Merkmal, das den besonderen Charakter des Festivals bis heute prägt. Neben Comics gehören auch Zeichnung, Illustration, Animation, Performance und bildende Kunst zum Programm.

Die Weltelite des Comics in Luzern

Ein Blick in die Festivalgeschichte – und in die Festivalzeitschrift – liest sich wie ein Who's Who der internationalen Comicszene:

Blutch (2009), Daniel Clowes (2011), Robert Crumb (2013), Anke Feuchtenberger (2006 und 2013), Lorenzo Mattotti (1994 und 2016), Joe Sacco (2002 und 2016), Marjane Satrapi (2004), Joann Sfar (2019), Lewis Trondheim (2000), Chris Ware (1999) u.v.m.

Das Festival bietet auch Schweizer Comic- und Zeichentalenten eine Bühne: Thomas Ott (1997), Helge Reumann (2026), Kati Rickenbach (2007), Anna Sommer (2007 und 2018).

Sprungbrett für neue Talente

Für die junge Generation ist Fumetto ein veritables Sprungbrett. Die zahlreichen Satellitenausstellungen schaffen Sichtbarkeit für neue Positionen und bringen Nachwuchstalente mit einem breiten Publikum in Kontakt. Mit Fördergefässen wie der Erstpublikation unterstützt das Festival junge Comiczeichnerinnen und -zeichner beim entscheidenden Schritt vom eigenen Entwurf zur ersten professionellen Veröffentlichung.

Comic ist frankophon geprägt – in Luzern aber seit über 30 Jahren zu Hause

Comic als Kunstform gilt traditionell als Domäne des französischsprachigen Raums. Mit dem Festival «International de la Bande Dessinée» in Angoulême verfügt Frankreich über das weltweit bedeutendste Comicfestival. Auch die Westschweiz besitzt mit BD-FIL in Lausanne und dem bis 2004 ausgetragenen BD Sierre eine starke Festivaltradition. Umso bemerkenswerter ist, dass sich ausgerechnet in der Deutschschweiz, in Luzern, vor mehr als dreissig Jahren ein Comicfestival von internationaler Ausstrahlung etablieren konnte.

Kulturelle Freiräume als Nährboden

Luzern ist weit mehr als die oft zitierte Musikstadt. Neben renommierten Musikinstitutionen bietet die Stadt – nicht zuletzt dank erkämpften Freiräumen – auch Platz für Gegenkultur. Die legendäre Boa machte Luzern über Jahre zum Zentrum der Punk- und Undergroundszene. Diese Offenheit gegenüber alternativen Kulturformen erweist sich auch für den Comic als fruchtbarer Boden.

Entscheidend ist zudem die Ausstrahlung der Schule für Gestaltung (heute: Hochschule Luzern – Design Film Kunst), die mit dem Bachelor Illustration Fiction den schweizweit einzigen offiziell anerkannten Studiengang dieser Art anbietet. Hinzu kommen engagierte Persönlichkeiten wie Niklaus Zeier (1955–2026), Mitbegründer des Festivals und langjähriger Kommunikationschef der Stadt Luzern. Über Jahrzehnte setzte er sich unermüdlich für das Fumetto ein und prägte dessen Verankerung in der Stadt entscheidend mit.

 

Die Sammlung der Fumetto-Zeitschrift ist auf der Plattform ZentralGut online zugänglich. Aufgrund der erwähnten Umbenennungen der Zeitschrift sind die Digitalisate in vier Untersammlungen gegliedert: von Comixfestival (1992–95) über Katalog (1996–2002) und Fumetto Comic Festival (2003–20) zu Gazzetta (2022–26).

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