Wie viel Innerschweiz steckt in sachsen.digital? Und wie viel Saxonica in ZentralGut?

Von Jens Bemme, 12. März 2026

Was wusste man in Luzern und der Zentralschweiz einst über Sachsen? Welche Ereignisse, Personen, Orte oder Publikationen – heute vielleicht in ZentralGut verzeichnet – prägten das lokale Bild dieses fern wirkenden Kulturraums? Und umgekehrt: Was las man in Sachsen über Themen aus der Innerschweiz? Welche Spuren finden sich in Lokalzeitungen und Veröffentlichungen, die inzwischen auf sachsen.digital digitalisiert wurden? Welche Links, Funde und Datenströme verbinden diese beiden Regionen – Zentralschweiz und Sachsen – miteinander und mit vielen anderen? Kommen Sie mit auf einen kurzen Rundgang durch die historischen Verflechtungen zweier Räume, die sich näher stehen, als man auf den ersten Blick vermutet.

Das Luzerner Tagblatt am Donnerstag, 29. März, 1894:

Deutschland. Der bekannte Nationalökonom Professor Bretano weist in Schmollers «Jahrbuch für Gesetzgebung» etc. auf die betrübende Ausnützung der Kinderarbeit in der sächsischen Webindustrie hin und bemerkt wörtlich: «In Sachsen fand ich Kinder, Frauen und alte Männer, die in ihrer Wohnung spulten; die letztern für einen Pfenning die Stunde! Ich sah schulpflichtige Kinder aus der Schule kommen, um sofort die Haspel zu drehen, bis sie wieder zur Schule eilen mußten. Ich fand alte Frauen und Männer, die vom frühen Morgen bis tief in die Nacht spulten, um dafür eine Mark die Woche zu erhalten; eine weitere Mark erhielten sie aus der Armenkasse als Zuschuss.»

Und was findet sich in Sachsen?

Im Börsenblatt für den deutschen Buchhandel aus Leipzig finden wir unter anderem die folgenden Inserate am 13. Juli 1929 und am 7. September 1934:

Zentralschweiz. Gesucht zuverlässiger, jüngerer katholischer Gehilfe mit guten Kenntnissen, spez. der kathol. Literatur. Ausführliche Angebote – vorl. ohne Bild – mit frühestem Eintrittsdatum unter Z # 1094 d. d. Geschäftsstelle des Börsenvereins
Buch- und Kunsthandlung (Schreibwarenabteilung) in der Zentralschweiz an gangbarster Lage größerer Stadt ist sofort verkäuflich. Nur Vollbuchhändler werden berücksichtigt. Kein großes Kapital nötig. Für Einreise und Aufenthaltsbewilligung wird gesorgt.

Was wussten die beiden Regionen voneinander noch? Und: Was lernen wir heute daraus? Diese Fragen beschäftigen uns seit September: Christian Erlinger für die ZHB Luzern und Jens Bemme für die SLUB Dresden. Wir sammeln wechselseitige Links, Notizen und bibliografische Daten von und für Details und Geschichten aus und über landeskundliche Digitalisate, um davon zu berichten. Jede und jeder kann solche historischen Verbindungen zwischen Zentralschweiz und Sachsen ergänzen – die Projektseite in der Wikiversität enthält erste Funde: https://de.wikiversity.org/wiki/Projekt:S%C3%A4chsische_Innerschweiz_digital und die zugehörige Diskussionsseite weitere Ideen: 

  • Käsefondue in sächsischen Zeitungen?
  • Reiseführer und Reiseberichte aus Leipziger Verlagen
  • Schweizer Studierende und Alumni am Königlichen Conservatorium in Leipzig, heute: Hochschule für Musik und Theater «Felix Mendelssohn Bartholdy».
  • Was erlebten Reisende aus Sachsen in der Zentralschweiz?
  • Welche Gemeinsamkeiten, Beziehungen, gemeinsame Geschichten oder etwaige «historische Parallelen» finden wir digitalisiert ausserdem noch?
  • Welche Forschungsfragen und Schicksale verbanden die Zentralschweiz und Sachsen? 

Der Projekttitel «Sächsische Innerschweiz digital» ist Programm. Sachsen ist mehr als die Sächsische Schweiz und die Zentralschweiz war im Königreich Sachsen nicht unbekannt! Über weitere Ideen, Hinweise, Themenvorschläge und passende Suchbegriffe für die Volltextsuche in ZentralGut und sachsen.digital freuen wir uns!


Jens Bemme arbeitet an der SLUB Dresden im Bereich Sächsische Landeskunde, Bürgerwissenschaften (Citizen Science) und dort insbesondere mit den Werkzeugen, Gemeinschaften und Daten der Wikimediabewegung. Er schreibt auch für das Portal und Weblog «Saxorum» für interdisziplinäre Landeskunde in Sachsen.

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