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Obwaldner Volksfreund (1964)

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Deskriptive Daten

fullscreen: Obwaldner Volksfreund (1964)

Zeitung

Titel:
Obwaldner Volksfreund
Sammlung:
Kantonsbibliothek Obwalden
Dokumenttyp:
Zeitung
Erscheinungsort:
Sarnen
Umfang:
104 Bd. ;

Zeitungsband

Sammlung:
Kantonsbibliothek Obwalden
Dokumenttyp:
Zeitungsband
Erscheinungsdatum:
1964
Bandzählung:
1964
Permanente ID:
ark:/63274/s011g7p
Lizenz:
Copyright not evaluated

Ausgabe

Sammlung:
Kantonsbibliothek Obwalden
Dokumenttyp:
Zeitung
Strukturtyp:
Ausgabe
Erscheinungsdatum:
03.01.1964
Bandzählung:
1

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Obwaldner Volksfreund
  • Obwaldner Volksfreund (1964)
  • Ausgabe vom Freitag, den 03. Januar 1964 (1)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 07. Januar 1964 (2)
  • Ausgabe vom Freitag, den 10. Januar 1964 (3)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 14. Januar 1964 (4)
  • Ausgabe vom Freitag, den 17. Januar 1964 (5)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 21. Januar 1964 (6)
  • Ausgabe vom Freitag, den 24. Januar 1964 (7)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 28. Januar 1964 (8)
  • Ausgabe vom Freitag, den 31. Januar 1964 (9)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 04. Februar 1964 (10)
  • Ausgabe vom Freitag, den 07. Februar 1964 (11)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 11. Februar 1964 (12)
  • Ausgabe vom Freitag, den 14. Februar 1964 (13)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 18. Februar 1964 (14)
  • Ausgabe vom Freitag, den 21. Februar 1964 (15)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 25. Februar 1964 (16)
  • Ausgabe vom Freitag, den 28. Februar 1964 (17)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 03. März 1964 (18)
  • Ausgabe vom Freitag, den 06. März 1964 (19)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 10. März 1964 (20)
  • Ausgabe vom Freitag, den 13. März 1964 (21)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 17. März 1964 (22)
  • Ausgabe vom Freitag, den 20. März 1964 (23)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 24. März 1964 (24)
  • Ausgabe vom Freitag, den 27. März 1964 (25)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 31. März 1964 (26)
  • Ausgabe vom Freitag, den 03. April 1964 (27)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 07. April 1964 (28)
  • Ausgabe vom Freitag, den 10. April 1964 (29)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 14. April 1964 (30)
  • Ausgabe vom Freitag, den 17. April 1964 (31)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 21. April 1964 (32)
  • Ausgabe vom Freitag, den 24. April 1964 (33)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 28. April 1964 (34)
  • Ausgabe vom Freitag, den 01. Mai 1964 (35)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 05. Mai 1964 (36)
  • Ausgabe vom Freitag, den 08. Mai 1964 (37)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 12. Mai 1964 (38)
  • Ausgabe vom Freitag, den 15. Mai 1964 (39)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 19. Mai 1964 (40)
  • Ausgabe vom Freitag, den 22. Mai 1964 (41)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 26. Mai 1964 (42)
  • Ausgabe vom Freitag, den 29. Mai 1964 (43)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 02. Juni 1964 (44)
  • Ausgabe vom Freitag, den 05. Juni 1964 (45)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 09. Juni 1964 (46)
  • Ausgabe vom Freitag, den 12. Juni 1964 (47)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 16. Juni 1964 (48)
  • Ausgabe vom Freitag, den 19. Juni 1964 (49)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 23. Juni 1964 (50)
  • Ausgabe vom Freitag, den 26. Juni 1964 (51)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 30. Juni 1964 (52)
  • Ausgabe vom Freitag, den 03. Juli 1964 (53)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 07. Juli 1964 (54)
  • Ausgabe vom Freitag, den 10. Juli 1964 (55)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 14. Juli 1964 (56)
  • Ausgabe vom Freitag, den 17. Juli 1964 (57)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 21. Juli 1964 (58)
  • Ausgabe vom Freitag, den 24. Juli 1964 (59)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 28. Juli 1964 (60)
  • Ausgabe vom Freitag, den 31. Juli 1964 (61)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 04. August 1964 (62)
  • Ausgabe vom Freitag, den 07. August 1964 (63)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 11. August 1964 (64)
  • Ausgabe vom Freitag, den 14. August 1964 (65)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 18. August 1964 (66)
  • Ausgabe vom Freitag, den 21. August 1964 (67)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 25. August 1964 (68)
  • Ausgabe vom Freitag, den 28. August 1964 (69)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 01. September 1964 (70)
  • Ausgabe vom Freitag, den 04. September 1964 (71)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 08. September 1964 (72)
  • Ausgabe vom Freitag, den 11. September 1964 (73)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 15. September 1964 (74)
  • Ausgabe vom Freitag, den 18. September 1964 (75)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 22. September 1964 (76)
  • Ausgabe vom Freitag, den 25. September 1964 (77)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 29. September 1964 (78)
  • Ausgabe vom Freitag, den 02. Oktober 1964 (79)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 06. Oktober 1964 (80)
  • Ausgabe vom Freitag, den 09. Oktober 1964 (81)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 13. Oktober 1964 (82)
  • Ausgabe vom Freitag, den 16. Oktober 1964 (83)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 20. Oktober 1964 (84)
  • Ausgabe vom Freitag, den 23. Oktober 1964 (85)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 27. Oktober 1964 (86)
  • Ausgabe vom Freitag, den 30. Oktober 1964 (87)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 03. November 1964 (88)
  • Ausgabe vom Freitag, den 06. November 1964 (89)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 10. November 1964 (90)
  • Ausgabe vom Freitag, den 13. November 1964 (91)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 17. November 1964 (92)
  • Ausgabe vom Freitag, den 20. November 1964 (93)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 24. November 1964 (94)
  • Ausgabe vom Freitag, den 27. November 1964 (95)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 01. Dezember 1964 (96)
  • Ausgabe vom Freitag, den 04. Dezember 1964 (97)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 08. Dezember 1964 (98)
  • Ausgabe vom Freitag, den 11. Dezember 1964 (99)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 15. Dezember 1964 (100)
  • Ausgabe vom Freitag, den 18. Dezember 1964 (101)
  • Ausgabe vom Mittwoch, den 23. Dezember 1964 (102)
  • Ausgabe vom Dienstag, den 29. Dezember 1964 (103)
  • Ausgabe vom Donnerstag, den 31. Dezember 1964 (104)

Volltext

AZ Sarnen, Freitag, den 3. Januar 1964 94. Jahrgang — Nr. 1 
® b ui olö ne c B o Iksfreunö 
Einzelverkaufspreis 20 Rp. Adreßänderungen 30 Rp. Abonnements- 
preis mit Obwaldner Pfarreinachrichten: Per Post zugestellt für 
die ganzie Schweiz jährlich Fr. 14j50, halbjährlich Fr. 7.50. Ausland 
jährlich Fr. 20.—. Einzahlungen auf Postcheck-Konto VII 1085. 
Neuabonnenten werden jederzeit gerne angenommen. — Druck 
und Verlag: Louis Ehrli & Cie., Sarnen, Telefon (041) 85 10 33. 
Konservativ-christlichsoziales Organ 
Erscheint Dienstag und Freitag 
Wöchentliche Beilage: Obwaldner Pfarreinachrichten 
Verantwortlich für die Redaktion: 
Dr. jur. Jost Dilller, Telefon 85 18 06 
Inseratenpreise: Einspaltige Millimeterzeile: Obwalden 13 Rp., 
Schweiz 15 Rp., Reklame 50 Rp. - Inseratenannahme: Schweizer- 
Annoncen AG «ASSA», Luzern, Tel. 2 12 54, und Filialen 
(Mit Ausnahme des Kantons Obwalden). - Vorschriften 
betreffend Plazierung, Schriftwahl und Arrangement 
werden abgelehnt. Schluß der Inseratenannahme je- 
weils Montag und Donnerstag 18.00 Uhr. 
Zum Dreikönigstag 
Der Stern 
Von weit her kamen die Weisen aus dem 
Morgenlande. Priester ihres Volkes mochten es 
gewesen sein, Menschen, die nach dem Licht 
strebten, die alles unternahmen, um ihre Sehn- 
sucht, ihren Durst nach Wahrheit zu stillen. 
Vieles hatten sie schon studiert, manches Ge- 
heimnis der Natur zu entlocken versucht. Aber 
noch gab es viele schwerwiegende Fragen: Wie 
verhält es sich denn mit dem Menschen? Wo- 
her kommt er, wo sind seine Ziele? Was ist es 
um das Böse in der Welt? Gibt es noch mehr 
als den Menschen? 
Irgend ein Zeichen in den Sternen, eine 
Konstellation der Himmelskörper, fiel ihnen in 
ihrem Absuchen des Himmelsgewölbes auf. Da 
muß etwas besonderes geschehen sein. Ihre 
Herzen wurden von einem eigenartigen Dränge 
beunruhigt. Und tapfer machten sie sich auf 
den Weg, auf die Suche nach dem geheimnis- 
vollen Ereignis, das sich irgendwo gegen We- 
sten abgespielt haben muß. Ihr Sehnen wird er- 
füllt. Sie finden den Erlöser, das Heil ihrer 
Seele, das Ziel ihres Suchens und Forschens. 
Beglückt kehren sie auf einem anderen Weg in 
ihre Heimat zurück. 
Die Weisen aus dem Morgenlande sind ein 
lebendiges Bild der heutigen Menschen. Noch 
immer ist ihr Suchen und Forschen nicht zur 
Ruhe gekommen. Unstet drängen Millionen 
heute dahin, morgen dorthin. Welch ein Durch- 
einander am politischen Sternenhimmel! Jedes 
Schimmern irgendeines noch so unscheinbaren 
Sternchens wird gierig ergriffen, um in aller- 
lei Lehren und Programmen Menschen für sich 
zu gewinnen, Propaganda zu machen und zu 
stürmen und zu lärmen. Von einem Ende der 
Erde bis zum anderen glauben zahllose Men- 
schen durch ihre Sternlichter die Welt für sich 
zu gewinnen und zu verbessern. 
Und was geschieht am Sternenhimmel der 
verschiedenen Religionen und Sekten! In gros- 
sen Mengen stehen heute Propheten auf, ver- 
künden von neuen Lichtern, die in ihnen auf- 
gestrahlt sind und ziehen ganze Kolonnen hin- 
ter sich her, die ihnen blindlings folgen. Ueber- 
all tauchen diese Sternfiguren auf und ruhen 
nicht, bis sich ihre Reihen gefüllt haben. Und 
wieviel Haß und Abneigung wird neben man- 
cherlei Gutem gegen die anderen geschürt! 
Und all die Sterne, die überall unter den 
Menschen auftauchen und neue Lebensweisen 
verkünden! Nie mehr krank sein! Erfolgrei- 
ches Liebesleben! Erfolg im Leben! Vollkom- 
men in der Gesellschaft! Usw. usw. Zeitschrif- 
ten und Illustrierte kommen kaum nach, um all 
diese Sternbilder des praktischen Lebens anzu- 
preisen und dafür zu werben. 
Und die Menschen? In großen Massen lau- 
fen sie tagtäglich diesen verschiedensten Stern- 
bildern nach und hoffen sehnsüchtig, die Ziele 
ihrer hochgespannten Wünsche und Verlangen 
zu erreichen. Haben sie Erfolg gehabt? Mag 
sein. Allzu viele sind es geworden, denen jede 
vorgelegte Lösung recht und passend ist, ob 
sie den Forderungen des natürlichen Rechtes 
entsprechen oder nicht, ob sie die göttlichen 
Gebote beobachten oder gerade das Gegenteil 
fordern, es kommt nicht darauf an, wenn nur 
dem Augenblick Erfolg verheißen ist. 
Ganz anderes lehrt uns der Stern von Be- 
thlehem! Bescheidene Männer finden hier je- 
nes Licht, das sich tief in ihre Herzen einsenkt 
und einen Frieden zurückläßt, der ihnen Kraft 
ist, in einem neuen Leben Gott dem obersten 
Herrn in Hingabe zu dienen. Christus allein 
ist der wahre Stern, der in allen Lagen des 
Lebens hilft, mutig und tapfer zu sein. Nur 
dieser Stern leuchtet hindurch aus dieser ver- 
worrenen Zeit in die Herrlichkeit des ewigen 
Lebens in Gott. P. D. L. 
Neujahrsansprache vom Bundespräsident Ludwig von Moos 
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, 
An Neujahr ist es jedesmal, als ob eine Türe 
sich schlösse und eine andere vor uns aufginge. 
Die Türe geht auf in ein neues Jahr, und ich 
mache mir eine Freude daraus, allen Miteid- 
genossen, allen Mitbürgerinnen und Mitbür- 
gern dazu einen herzlichen Gruß zu entbie- 
ten, ihnen, wie man in meiner engeren Hei- 
mat zu sagen pflegt, von Herzen ein gutes, 
glückhaftes neues Jahr zu wünschen. Das sa- 
ge ich allen, die gesund und frohen Mutes in 
die Zukunft gehen. Ich sage es allen, die von 
Sorgen bedrückt, die krank oder einsam sind. 
Ich sage es unseren Müttern und Frauen, um 
ihnen für alles zu danken, was sie so selbst- 
verständlich, ohne Anspruch auf Lob und Ent- 
gelt, jahraus jahrein Gutes wirken, und sage 
es den Jungen, die erwartungsvoll sich des 
Lebens und all des Kommenden freuen. Unsern 
lieben Landsleuten im Ausland füge ich in die- 
sem Augenblick der Erinnerung und der Ver- 
bundenheit ein besonderes Gedenken bei. Der 
Gruß richtet sich aber auch an die Ausländer, 
die ausländischen Arbeitskräfte insbesondere, 
die das Jahr hindurch ihre Arbeit zur Aufrecht- 
erhaltung und Entwicklung der Prosperität ih- 
res Gastlandes beitragen. 
Bevor wir die Türe zum alten Jahr hinter 
uns schließen, laßt uns, liebe Mitbürgerinnen 
und Mitbürger, einen kurzen Blick auf dieses 
vergangene Jahr zurückwerfen. Wir wollen es 
besinnlich, in Dankbarkeit und — trotzdem das 
Jahr nebst Schönem und Gutem manchem un- 
ter uns auch Schweres gebracht hat — nicht 
in unfruchtbarem Hadern tun. Der Friede ist 
uns erhalten geblieben, und wir hoffen sogar, 
daß dabei Fortschritte erzielt worden sind. 
Aber vielen Mitmenschen und Familien,, ja 
ganzen Städten und Völkern, blieben Prüfun- 
gen nicht erspart. Wenn wir das letzte Kalen- 
derblatt 1963 umschlagen, wird uns bewußt 
daß in diesem Jahre die Welt durch manchen 
Verlust ärmer geworden ist. Wir denken an 
das Sterben eines großen und guten Papstes 
und an den unfaßlichen Mord am jugendlichen 
Lenker eines mächtigen Staatswesens. Wir 
denken an Schicksalsschläge, die einzelne Fa- 
milien getroffen, an zahlreiche Opfer, unnöti- 
ge Opfer, des Straßenverkehrs, an Erdbeben-, 
Flut- und Flugzeugkatastrophen, die vielen 
Mitmenschen tiefes Leid gebracht haben. Am 
heutigen Tag denken wir daran und sagen ins- 
besondere der Bevölkerung von Humlikon, den 
ihrer Eltern beraubten Kindern dieses Dorfes, 
daß das ganze Schweizervolk in Gedanken mit 
ihnen ist, aber auch mit ihnen und mit allen, 
die Sorgen tragen, mutig den Schritt ins neue 
Jahr tun will. 
1963 hat das hundertjährige Gedenken an 
die Gründung des Roten Kreuzes durch hoch 
gesinnte Schweizer gebracht. Das Jahr, zu dem 
sich heute die Türe öffnet, ist das der auf die 
Zukunft hinweisenden Landesausstellung in 
Lausanne. Beide Ereignisse veranlassen uns 
zum Nachdenken über Sinn und Aufgabe un- 
seres Staatswesens, zu Fragen an uns selbst 
und an die Zukunft. Ob in den vergangenen 
hundert Jahren die Schweiz ihrer Aufgabe ge- 
recht geworden ist, ob im vergangenen Jahre 
wir selber unsere Aufgabe erfüllt haben, dar- 
über heute zu urteilen, halten wir uns nicht für 
berufen. Der Frage aber, ob und wie unsere 
Schweiz mitten in Europa heute und in der Zu- 
kunft besteht, können wir nicht ausweichen. 
Unser Ziel bleibt, die Unabhängigkeit und die 
Fi.,iheit zu erhalten, und zwar deswegen, weil 
sie dazu dienen, Persönlichkeit und Menschen- 
würde, Recht und Familie zu sichern und zu 
schützen. Neutralität, Landesverteidigung und 
unsere auswärtigen Beziehungen sind nach 
außen die Mittel dazu. Nach innen müssen wir 
uns aber, jeder an seinem Platze, tagtäglich, 
auch wenn es Mühe und Opfer kostet, um diese 
Ziele bemühen. Die Verantwortung dafür tra- 
gen nicht die Behörden und die Politiker, nicht 
sie allein; dazu ist in einem demokratischen 
Land jeder Bürger und jede Bürgerin berufen 
Wie wir gemeinsam der Schwierigkeiten der 
Gegenwart Herr werden, davon hängt ab, wie 
fest unser Glaube an die Zukunft begründet ist. 
Wir hoffen für uns alle und für unser Land 
auf ein glückliches Jahr. Aber wir sollten uns 
so verhalten, daß wir die Kraft besäßen, auch 
Prüfungen zu ertragen. Ein glückliches Jahr, 
das heißt nicht einfach Vermehrung des Wohl 
standes, Expansion der Wirtschaft und Ver- 
vollkommnung der Technik, wenn dabei Werte 
zu kurz kommen oder verloren gehen, die viel 
enger zum Bild und zum Wesen unserer Hei- 
mat gehören. Wenn wir uns heute um die Er- 
haltung der Natur und den Schutz der Ge- 
wässer Sorgen machen, so deutet das darauf 
hin, was wir zu verlieren in Gefahr sind. Noch 
wichtiger aber ist es, die tieferen und blei- 
benden Werte unseres Volkes und Landes zu 
schützen und zu bewahren. Wir wollen den 
Entschluß fassen und den Willen stärken, das 
geistige, das von der Geschichte geprägte Ant- 
litz unserer vielgestaltigen Schweiz zu erhal- 
ten. Das bedeutet, für den Anderen, vorab für 
den Schwächeren, einzustehen, den Zusam- 
menhalt und das Verständnis unter den Sprach- 
gruppen zu vertiefen, von den politischen 
Rechten Gebrauch zu machen, um der Gesamt- 
heit zu dienen, und den Stolz auf unsere De- 
mokratie nicht in Worten zu verkünden, son- 
dern an der Willensbildung, wo wir das Recht 
dazu haben, auf allen Stufen aktiv und ohne 
Eigensucht mitzuwirken. 
Ist diese Stunde des Jahresanfangs, da wir 
uns mit unseren Lieben in der Familie zu- 
sammenfinden, dazu angetan, solche Ueber- 
legungen anzustellen? Ich glaube, ja. Das pri- 
vate wie das öffentliche Leben so einzurich- 
ten, daß es sich lohnt, es im Frieden und in 
Freiheit zu leben, das vertieft das Wissen um 
den Segen des Zusammengehören und Zu- 
sammenwirkens, das stärkt in uns und in un- 
serer Jugend die Ueberzeugung von der Not- 
wendigkeit unseres staatlichen Daseins, den 
Glauben an die Zukunft unseres Landes, den 
Willen, im kommenden Jahre mit besten Kräf- 
ten zur Gestaltung dieser Zukunft beizutragen. 
So treten wir mit Mut und mit Zuversicht und 
mit dem Wunsche, daß allen Völkern Friede 
beschieden werde und daß über Euch allen, 
über Euren Familien, über unserem Schwei- 
zerlande der Schutz und Segen des Allmächti- 
gen walte, über die Schwelle ins neue Jahr. 
OBWALDEN 
Genesungswünsche. D. Auf dem Wege der 
«mündlichen Ueberlieferung» hat sich von Lun- 
gern durchs ganze Tal herab die unheilvolle 
Nachricht verbreitet, daß Landstatthalter Hans 
Gasser nach der Mitternachtsmesse vom Heili- 
gen Abend wegen eines Herzinfarktes nach 
Luzern in die Klinik St. Anna habe überführt 
werden müssen. Inzwischen ist die erleich- 
ternde Kunde gekommen, daß es sich gottlob 
nur um einen leichtern Fall gehandelt habe, 
wenn auch einige Wochen Ruhe und Schonung 
vonnöten sind. Wir senden unserm Landstatt- 
halter, Baudirektor und Nationalrat die herz- 
lichsten Genesungswünsche ans Krankenlager 
und hoffen, er werde bald wiederhergestellt 
zurückkehren können. 
Abschied von der Armee. Zu den kürzlich 
aus Anlaß des Abschiedes von der Armee in 
den Zeitungen erwähnten Prominenten darf 
gerechterweise auch Oberstlt. Franz Durrer, 
Präsident des Kantonsgerichtes, Alpnach, bei- 
gezählt werden. Wer während 38 Jahren als 
Offizier, Kp.- und Bat.-Kommandant und zu- 
letzt als Chef für Schutz und Abwehr im Stab 
unserer Reduit-Brigade in rund 1500 Dienstta- 
gen dem Vaterland in der Armee unentwegt 
mit Hingabe gedient hat, ist des schönsten Loh- 
nes gewiß, wie ihn nur das Bewußtsein erfüllter 
Pflicht vermittelt. Mit der öffentlichen Erwäh- 
Ciske, die Ratte 
Roman von Piet Bakker 
40 
Copyright by 
Steingrüben- 
Verlag 
Presserechte 
durch 
Cosmopress 
Fein, daß Sie jetzt ein Baby haben, und ich 
finde auch, daß Jan Willem ein schöner Name 
ist. 
Diesen Brief darf ich als Sprachaufgabe 
schreiben, hoffentlich stehen nicht allzu viele 
Fehler drin. Uebermorgen komme ich hier her- 
aus und darf zu den andern. 
Das finde ich gar nicht angenehm. Ich se- 
he sie immer im Hof herummarschieren. Wie 
soll ich mit ihnen mitkommen? Sie machen 
viel zu lange Schritte. Ich kenne keinen von ih- 
nen, denn bisher durfte ich mit niemandem 
sprechen. 
Der Herr Lehrer hier ist sehr zufrieden mit 
mir. Gestern habe ich mindestens dreißig Ober- 
flächen berechnet, und in einem Diktat hatte 
ich zehn Fehler. Doch das waren lauter schwere 
Wörter, das hat der Lehrer selbst gesagt. Der 
Herr Lehrer spricht nicht so viel wie Sie, aber 
er ist auch in Ordnung. 
Von Tante Jans habe ich auch einen Brief 
bekommen, da stehen allerdings eine Menge 
Fehler drin. 
Dorus, Bet je und Sip sollen mir doch auch 
mal schreiben, ich würde sehr froh darüber 
sein. 
Einmal in der Woche muß ich unter die Du- 
sche und einmal, am Sonntag, zur Messe gehen. 
In der Messe gefällt es mir schon. Der Herr 
Kaplan hat einen langen Rock an. Er hat mich 
schon ein paarmal besucht, weil er mir zeigen 
will, wie man betet. Doch das fällt mir sehr 
schwer. Ich kann nur Vater, Sohn und Heiliger 
Geist, Amen, sagen. Auch habe ich ein Marien- 
bildchen in meinem Zimmer, die Mutter Got- 
tes sieht darauf wie Betje aus. Sie hat genau 
so ein rundes Gesicht. 
Der Kaplan ist ein feiner Mann. 
Beste Grüße Ihr Ciske Freimuth.» 
Ich falte den Brief der Ratte zusammen. Es 
wird höchste Zeit, daß ich mich um die Klasse 
kümmere. 
«Herr Lehrer, die Jungen haben uns nicht 
Seilspringen lassen!» 
«Herr Lehrer, ich habe mein Entschuldi- 
gungsschreiben vergessen.» 
«Herr Lehrer, darf ich heute eine Viertel- 
stunde früher fort, weil meine Mutter mir neue 
Schuhe kaufen will?» 
Durch die Forderungen, die meine Schüler 
an mich stellen, habe ich keine Zeit, den Brief 
der Ratte ein zweitesmal zu lesen. Vielleicht 
komme ich nachher dazu, wenn wir Schön- 
schreiben haben. 
Man muß sich schon Zeit nehmen, um in 
einem solchen Kinderbrief zwischen den Zei- 
len zu lesen. Wie schwer würde es einem Er- 
wachsenen in ähnlicher Lage fallen, über seine 
Schwierigkeiten zu schreiben, um wieviel 
schwieriger ist es für ein Kind! 
Meerstra, dem ich den Brief in der Pause 
zeige, fällt vor allem eins auf: Ciske findet es 
nicht schön, von der Einsamkeit erlöst zu wer- 
den. Er ist also menschenscheu. Das hört man 
oft von Leuten, die man zu lange in eine Zelle 
sperrt. Wir brauchen nicht darüber zu reden, 
was für einen Knacks so ein Junge bekommt. 
Ja, ja, wenn sie das letzte bißchen Leben 
aus so einem Jungen herausgerungen haben, 
dann wird er vielleicht brav und aufmerksam 
sein. Leichte Methode das. 
Maatsuyker sieht die Dinge nicht so 
schwarz. 
«Die Ratte hält schon durch», meint er. 
Wenn der Junge erst mal aus der verdammten 
Zelle raus ist, dann lebt er schon wieder auf. 
So ein Bursche kann eine ganze Menge ver- 
tragen.» 
Was habe ich mir nur dabei gedacht, den 
Brief auch unserem Hauspädagogen Verbeest 
zu zeigen?» 
Verflucht interessant», ruft er, als er ihn 
gelesen hat. «Da müssen Sie mal bei Kierke- 
gaard nachlesen. Ohne Kenntnisse in Tiefen- 
psychologie kommen Sie da nicht durch.» 
«Wozu?» frage ich. 
«Nun, zur Erforschung des Charakters na- 
türlich. Die Furcht davor, in der Gemeinschaft 
aufgenommen zu werden ... verteufelt interes- 
sant!» 
«Fragt sich nur, was hier verteufelt und 
was interessant ist», sage ich ärgerlich und 
lasse ihn einfach stehen. 
Am kommenden Samstag werde ich nach 
Nijmwegen fahren. Suus ist bereits seit ein 
paar Tagen aus dem Bett, und die Schwester 
ist wieder fort. Meine Schwiegermutter hilft 
im Haushalt mit, bis unsere neue Hausgehilfin 
eingearbeitet ist. Suus' Mutter ist jetzt doch 
ewas freundlicher zu mir, seitdem ich an die 
«nette» Schule engagiert werden soll. 
Im Gang der Zuchtschule findet gerade 
Großreinemachen statt. Ein Haufen Jungen ist 
dabei, gerade den Boden zu schrubben. Sie 
gießen eimerweiße Wasser über die Steine, 
schruppen und wischen, daß es eine Lust ist 
aber alles... ohne ein Wort dabei zu reden.
	        

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