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Gwundrig (2023)

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Deskriptive Daten

fullscreen: Gwundrig (2023)

Zeitschrift

Titel:
Entlebucher Brattig
Sammlung:
Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern
Zentralschweizer Zeitschriften
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Erscheinungsort:
[Schüpfheim]

Zeitschriftenband

Titel:
Gwundrig
Sammlung:
Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern
Dokumenttyp:
Zeitschriftenband
Erscheinungsdatum:
2023
Bandzählung:
2023
Permanente ID:
ark:/63274/zhb1f63vf
Lizenz:
In Copyright 1.0

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Entlebucher Brattig
  • Gwundrig (2023)

Volltext

Eine kurze Vorgeschichte 
Das Entlebuch als Weinregion? Das hört sich zunächst 
wunderlich an. Wein war im Entlebuch stets ein Import- 
produkt. Man erinnert sich zwar vage an die Glasbläser 
aus dem süddeutschen Raum und dem Elsass, die im 
18. und 19. Jahrhundert mit ihren Rebstöcken im Gepäck 
in die Region gezogen seien. In der Umgebung der Glas- 
hütten und ihrer neuen Wohnstätten legten sie offenbar 
einige Rebberge an, um auch im Entlebuch und wohl 
mit etwas Heimweh dem Genuss des bekannten Reben- 
saftes zu frönen. Inspiriert davon stellten sie denn auch 
prächtige Weingläser und Karaffen her. Mit dem Wegzug 
der Glasindustrie 1869 hätten die Glasbläser, so sagt 
man, auch ihre Weinreben wieder eingepackt. Als 1870 
die Reblaus in Europa grossflächig Rebberge zerstörte, 
gab es im Entlebuch wohl schon keine Weinreben mehr. 
Es sollte mehr als 130 Jahre dauern, bis in der Region 
wieder eine nennenswerte Weinproduktion einsetzte. 
Pioniergeist und Pragmatismus 
Einer der Pioniere war und ist der Entlebucher Landwirt 
Josef Felder vom Grabenhof in Ebnet. Er pflanzte auf 
seiner Liegenschaft im Jahr 2004 auf 14 Aren rund 900 
Rebstöcke. Doch wie kam er auf diese Idee? Es scheint 
praktische ebenso wie persönliche Gründe dafür gegeben 
zu haben. Aus praktischer Hinsicht war Felder damals 
auf der Suche nach einem neuen Betriebszweig, nach- 
dem der Feuerbrand seine Hochstammbäume liquidiert 
hatte. Dieser sollte ihm auf seinem Kleinbetrieb eine 
Nischenproduktion erlauben und gleichzeitig die in der 
Landwirtschaft bedeutende Kennzahl der Standardarbeits- 
kräfte positiv beeinflussen. Der Weinanbau erfüllte beide 
Kriterien: Die Arbeit an den Rebstöcken kam 0,14 Stan- 
dardarbeitskräften gleich, und Entlebucher Wein war ein 
Nischenprodukt. 
Zudem lässt sich die Wahl des Weinbaus auch auf per- 
sönliche Eigenschaften zurückführen. Als ich Sepp im 
Juni 2022 mit einigen Freunden für eine Führung durch 
seinen Rebberg besuchte, wurde mir schnell klar: Er ist 
einer, der gerne ausprobiert. Akribisch hat er sich Anfang 
der 2000er-Jahre über den Weinbau und die Herstellung 
informiert, pragmatisch hat er seine Ideen in den Folge- 
jahren umgesetzt und weiterentwickelt. Das Geheimnis 
seines Pioniergeistes liegt im Gwunder am Prozess und 
der Lust am Versuch. Ganz nach dem Motto: Erst wenn 
man’s probiert, merkt man, ob man’s kann. «Wein zu 
machen, ist eigentlich nicht viel schwieriger, als Most 
herzustellen. Die Prozesse sind im Prinzip genau diesel- 
ben», meint Sepp bescheiden. Stimmt wohl, nur muss 
man eben auch die Neugierde und den Mut haben, das 
einfach auszuprobieren. 
Aufwind für lokalen Wein 
Wer ausprobiert, bezahlt natürlich auch Lehrgeld. «Wenn 
ich heute noch einmal anfangen könnte, würde ich man- 
ches anders machen», erzählt mir Sepp. Er würde die 
Stöcke beispielsweise nicht mehr im Tobel des Chatzen- 
rains, sondern oben auf der Ebene pflanzen, wo es mehr 
Luftzug gibt. Auch die Wahl der Traubensorten würde 
heute womöglich anders ausfallen. Er habe damals 
die robusten, pilzwiderstandsfähigen Solaris-Trauben 
gewählt, weil er davon ausging, dass er diese nicht 
«spritzen» müsse. Anfänglich konnte er auf eine Behand- 
lung ganz verzichten, nach ein paar Jahren musste er 
aber dennoch zwei- bis dreimal pro Jahr biologische 
Schutzmittel anwenden. Immerhin versprechen die Sola- 
ris-Trauben nach wie vor einen hohen «Öchsligrad» – 
also einen hohen Zuckergehalt. Das führt zu einem hohen 
Restzuckergehalt nach der Gärung und damit zu süssli- 
chen Produkten. Diese sind beliebt und der Absatz ent- 
sprechend gut. «Obwohl ich keine Werbung mache, ver- 
kaufe ich eigentlich immer die ganze Produktion», erzählt 
Sepp zufrieden. 
Die Nachfrage nach einheimischem Wein scheint vor- 
handen zu sein. Neben Josef Felder stellen inzwischen 
auch einige andere Kleinproduzenten in der Region Wein 
her: Darunter Oskar Eicher im Oberberg in Schüpfheim, 
Pirmin Bucher in Doppleschwand, Markus Bucher auf 
dem Steinhuserberg und Moritz Müller in Hasle. Viele von 
ihnen arbeiten auf die eine oder andere Art und Weise 
«Sehr schöner Wein, harmonisch, 
gewaltige Frucht.» Diese Beurtei- 
lung erhielt «Felder’s Solaris» 2021 
bei einer Degustation in Pfäffikon. 
entlebucher brattig 2023 141
	        

Institution

 
Zentral-und Hochschulbibliothek Luzern

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