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Gasseziitig Lozärn (Mai/Juni 2013, Nr. 51)

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Deskriptive Daten

fullscreen: Gasseziitig Lozärn (Mai/Juni 2013, Nr. 51)

Zeitschrift

Titel:
Gasseziitig Lozärn
Sammlung:
Luzerner Stadt- und Quartierzeitungen
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Erscheinungsort:
Luzern
Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern
Signatur:
Z.d 116
F1.pa 144
H 132

Zeitschriftenband

Titel:
Gasseziitig Lozärn
Sammlung:
Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern
Dokumenttyp:
Zeitschriftenband
Erscheinungsdatum:
2013
2013-05
Bandzählung:
Mai/Juni 2013, Nr. 51
Permanente ID:
ark:/63274/zhb1769s
Lizenz:
In Copyright 1.0

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Gasseziitig Lozärn
  • Gasseziitig Lozärn (Mai/Juni 2013, Nr. 51)

Volltext

Bei der Planung meiner Ferien 
erwachte die Erinnerung an eine 
Spanienreise als junger Erwach- 
sener, auf der ich in Santiago de 
Compostela, dem endgültigen 
Ziel des Jakobsweges, einen Zwi- 
schenstopp gemacht hatte. Da- 
mals wusste ich noch nichts von 
der Bedeutung dieser Stadt. Mir 
fielen nur die vielen Wanderer 
auf, die total erschöpft, aber mit 
einem glücklichen Ausdruck auf 
dem Gesicht die Strasse herunter 
in Richtung der grossen Kathedra- 
le marschierten oder stolperten. 
Bücher 
Weil inzwischen wohl jeder 
schon einmal vom Jakobsweg 
gehört hat und ich hier keinen 
weiteren Reisebericht schrei- 
ben will, empfehle ich allen, 
die sich für diesen Pilgerweg 
interessieren, sich in der Stadt- 
bibliothek eines der vielen «Ja- 
kobsweg-Bücher» auszuleihen. 
Bevor ich zwanzig Jahre nach 
meinem Aufenthalt in Santiago de 
Compostela meine Ferienwünsche 
anmeldete, deckte ich mich mit 
Büchern über den Jakobsweg ein. 
In den meisten wird die Zeit vor 
oder nach einer Pilgerreise kaum 
erwähnt. Deshalb handelt mein 
Artikel von diesen Erfahrungen. 
«Schlafen im Stroh» 
Ich stellte fest, dass der Jakobsweg 
zu den am besten ausgebauten 
Wanderwegen Europas zählt und 
auch durch die Schweiz führt. 
Schnell war mir klar, dass ich in 
meinen nächsten Sommerferien 
lange Wanderungen machen wür- 
de. Ich freute mich darauf, end- 
lich wieder einmal für längere Zeit 
von meinem Wohnort wegzukom- 
men und war glücklich, dass ich 
mir dies finanziell leisten konnte. 
Denn preiswerte Übernachtungs- 
möglichkeiten gab es auf Bauern- 
höfen, die «Schlafen im Stroh» an- 
bieten oder in Jugendherbergen. 
Seriöse Vorbereitungen 
Weil ich kein Freund von Überra- 
schungen bin, begannen die seri- 
ösen Vorbereitungen meiner Rei- 
se schon einige Wochen vor dem 
Starttermin. Als Erstes reservierte 
ich in meiner Wohnung eine Ecke, 
in der ich den Inhalt meines Ruck- 
sacks vorbereitete. Der musste un- 
bedingt das Wichtigste enthalten, 
sollte dabei aber so leicht wie 
möglich bleiben. Da kam mal eine 
Taschenlampe und Ersatzschuh- 
bändel dazu oder ein Pullover und 
eine Ausgangshose wurden wie- 
der weggepackt usw. Gebraucht 
habe ich dann vor allem einen 
guten Reiseführer. 
Da ich von Anfang an möglichst 
fit sein wollte, machte ich an den 
Wochenenden vor Reisebeginn 
rund um Luzern längere Wande- 
rungen und entdeckte dabei ei- 
nige schöne Gegenden, die direkt 
vor meiner Haustüre beginnen. 
Angst vor Unbekanntem 
Nachdem ich mich für die Rei- 
seroute und den Starttermin der 
Wanderung entschieden hatte, 
wollte ich möglichst viele Schlaf- 
plätze organisieren. Aus dem Rei- 
seführer entnahm ich die nötigen 
Telefonnummern. Ich stellte aber 
bereits nach den ersten Anrufen 
fest, dass ich viel mehr als die 
erste Übernachtungsmöglichkeit 
gar nicht organisieren musste. Al- 
les Weitere würde sich jeden Tag 
neu entscheiden. 
Eine Wanderung mit so vielen Un- 
bekannten machte mir aber auch 
Angst und ich war froh, als es 
dann – das war letzten Sommer – 
endlich losging. 
Von den Erinnerungen, die ich in 
einem Tagebuch festhielt, möch- 
te ich nur ein Erlebnis erwähnen, 
weil es vielleicht in die Zukunft 
weist. 
«Pilgerpass» 
Am zweitletzten Abend traf ich 
auf eine offizielle Pilgerherberge, 
wo ich für ein paar Franken ei- 
nen «Pilgerpass» kaufen musste, 
um dort übernachten zu können. 
Dieser «Pass» ist ein robustes Falt- 
blatt. Jeder wichtige Ort auf dem 
Jakobsweg hat einen eigenen 
Stempel. Wenn man seinen Pil- 
gerpass mit diesen Stempeln füllt, 
kann man offiziell beweisen, wo 
einen der Jakobsweg bisher hin- 
geführt hat. Er wurde mir öfter 
von stolzen Wanderern gezeigt. 
Mich interessierte das nicht wirk- 
lich, weil ich die Wanderung ja für 
mich machte und lieber Tagebuch 
führte, um mich später daran zu 
erinnern. Jetzt bekam dieser Pass 
aber auch für mich eine handfeste 
Bedeutung. 
Auf der ersten Seite steht zudem fol- 
gender Eintrag: «Ich bin Pilger/in 
auf dem Jakobsweg, der mich der- 
einst nach Santiago de Composte- 
la führen kann.» Wer weiss? Am 
Ende der Ferien ging es mir jeden- 
falls so gut, dass ich am liebsten 
sofort weitergewandert wäre. 
Zehn Tage – 500 Franken 
Auf der Heimfahrt mit dem Zug 
und während der ersten Tage zu- 
hause machte ich mir folgende 
Gedanken: Es ist möglich, in der 
Schweiz zehn Tage Ferien zu ma- 
chen, zahllose schöne Erlebnisse 
zu haben – einige weniger schöne 
habe ich fast vergessen – wunder- 
schöne Orte kennen zu lernen und 
dafür kaum mehr als 500 Franken 
zu bezahlen. 
Dazu kam noch, dass ich täglich 
gesünder wurde und der Rucksack 
jeden Morgen etwas weniger auf 
die Schulter drückte – der materi- 
elle Rucksack aber auch jener, in 
dem ich all meine Sorgen und Nöte 
mit mir herumschleppe. Vielleicht 
hatte das auch etwas damit zu 
tun, dass ich einige Kirchen und 
Wallfahrtsorte besichtigte, wie es 
zu einer Pilgerreise ja gehört. 
Leute kennen gelernt 
Abgesehen davon war es ein- 
drücklich zu merken, wie man mir 
fast überall wohlwollend begeg- 
nete. Obwohl ich meistens alleine 
wanderte, lernte ich unterwegs in- 
teressante Menschen kennen. Das 
Gefühl zu einer Gruppe zu gehö- 
ren und trotzdem selbstständig zu 
sein, hat mir gut getan. 
Wünsche gingen in Erfüllung 
Während der Wanderung hat- 
te sich fast jeder Wunsch erfüllt: 
Wegweiser tauchten auf, wenn 
ich mich mal wieder verirrt hat- 
te. Oder ein Brunnen spendete mir 
das lange ersehnte Wasser. Lag das 
daran, dass ich jede Menge Ener- 
gie und Geduld vorrätig hatte, um 
mich auf die Erfüllung meiner 
Wünsche zu konzentrieren? 
In den  ersten Tagen zuhause 
lebte ich noch auf einer rosaroten 
Wolke. Die gut gemeinten Kom- 
plimente, die ich erhielt, halfen 
mir nicht, von dort wieder runter- 
zukommen. Weil ich innert zehn 
Tagen fast 200 Kilometer zurück- 
legte, war ich auch zu Recht stolz 
auf mich. 
Schwierige Rückkehr 
Die Wanderung liegt nun fast ein 
Jahr zurück und mir werden nun 
immer mehr auch die schwie- 
rigen Momente meiner Rückkehr 
bewusst. Ich vergass, dass mein 
«richtiges Leben» nicht nur auf 
dem Jakobsweg stattfindet und 
verpasste es, von meiner Wolke 
wieder hinabzusteigen. Spätestens 
an den Neujahrsfeiertagen knallte 
ich dann umso heftiger von dort 
herunter. 
Zurück im Alltag 
Im Alltagsleben erfüllten sich 
meine Wünsche nicht mehr so 
einfach. Vielleicht, weil mir die 
Energie und die Geduld dafür am 
Briefkasten, am Arbeitsort oder 
ganz einfach vom täglichen Über- 
lebenskampf weggefressen wurde. 
Davon stand nichts in den Reise- 
führern und -Berichten. Es ist ja 
auch meine eigene, persönliche 
Erfahrung. Ich bin trotzdem froh, 
dass ich sie gemacht habe. 
Falls ich wieder einmal auf eine 
Pilgerreise gehe, werde ich mich 
an diese Rückkehr erinnern und 
hoffentlich nicht mehr so lange 
brauchen, um mich im Alltag wie- 
der 
zurechtzufinden.Kurt B. 
Über das Wandern 
auf dem Jakobsweg 
wurde schon sehr viel 
geschrieben; hingegen 
wenig über die Vorbe- 
reitungen und das oft 
schmerzliche Ankom- 
men zuhause. Unser 
Autor Kurt B. füllt hier 
diese Lücke. 
Vor und nach dem Jakobsweg 
«Ich bin Pilger/in   
auf dem Jakobsweg,   
der mich dereinst nach   
Santiago de Compostela   
führen kann.» 
Eintrag im «Pilgerpass» 
GasseZiitigLozärn 
Seite 8        Nr. 51       Mai/Juni 2013 
Bei einer Pilgerreise geniesst man die Ruhe und die Natur.  Bild: Fotolia
	        

Institution

 
Zentral-und Hochschulbibliothek Luzern

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