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Gasseziitig Lozärn (Herbst 2022 / Nr. 78)

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Deskriptive Daten

fullscreen: Gasseziitig Lozärn (Herbst 2022 / Nr. 78)

Zeitschrift

Titel:
Gasseziitig Lozärn
Sammlung:
Luzerner Stadt- und Quartierzeitungen
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Erscheinungsort:
Luzern
Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern
Signatur:
Z.d 116
F1.pa 144
H 132

Zeitschriftenband

Titel:
Gasseziitig Lozärn
Sammlung:
Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern
Dokumenttyp:
Zeitschriftenband
Erscheinungsdatum:
2022
Bandzählung:
Herbst 2022 / Nr. 78
Permanente ID:
ark:/63274/zhb1r38s
Lizenz:
In Copyright 1.0

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Gasseziitig Lozärn
  • Gasseziitig Lozärn (Herbst 2022 / Nr. 78)

Volltext

Valentin Beck: Frau José Otero, vielen Dank für Ihre Zeit.   
José Otero: Ich habe viel Zeit, weil ich sowieso jeden Tag 
von 6 bis 18 Uhr hier bin. Und das seit 25 Jahren – über 300 
Tage im Jahr. 
Als Ihr Stammkunde habe ich festgestellt, dass Sie 
bestens Bescheid wissen über das Leben und auch das 
Sterben auf der Gasse. Woher kommt das? 
Viele Gassen-Menschen gehören zu meiner Kundschaft. 
Sie wohnen zum Beispiel im Quartier. Einige kenne ich von 
Kindsbeinen an, weil sie im Moosmatt- oder Hubelmatt-Schulhaus 
zur Schule gingen und bei mir Süsses kauften, wie es die heutigen 
Schülerinnen und Schüler tun. Oder auch Ob- und Nidwald- 
ner:innen, die auf ihrem Weg von der Allmend zur GasseChuchi 
bei mir vorbeikommen. 
Wie sehen diese Begegnungen aus? 
Viele kaufen Zigaretten oder trinken einen Kaffee – oder sie kom- 
men einfach hierher, um ein bisschen zu reden. Schliesslich steht 
mein kleiner Kiosk quasi auf dem Trottoir. In spontanen Gesprä- 
chen erfahre ich vieles, sei es direkt von den Betroffenen 
oder indirekt über andere. 
Worum geht es in diesen Gesprächen? 
Oft um Alltägliches bzw. Allerweltliches: das Wetter, Er- 
eignisse in der Stadt, den FCL oder Corona-Massnahmen. 
Manchmal erzählen mir die Leute aber auch, was sie gerade 
beschäftigt, belastet oder freut. Oder sie berichten mir ihre 
Lebensgeschichte und über ihr Schicksal. Viele von ihnen ha- 
ben eine schwere Kindheit, Schicksalsschläge, Gewalt oder 
negative Beziehungsgeschichten hinter sich. 
Ich kenne viele solche Geschichten auch aus meiner Zeit 
als Spanisch-, Portugiesisch- und Italienisch-Übersetzerin 
im Gefängnis, am Gericht, im Spital und im Frauenhaus. Die 
Welt ist manchmal wirklich tragisch und ungerecht. Aber es 
gibt auch immer wieder Schönes. 
Verstehen Sie sich denn auch als eine Art Seelsorgerin? 
Nein. Ich höre ihnen einfach zu, nehme sie ernst und ver- 
suche mit Humor etwas Freude zu schenken. Zusammen la- 
chen schweisst zusammen und tut allen gut. 
Ich lasse das Gehörte aber nicht allzu nahe an mich he- 
ran. Mitleiden wäre ungesund. Und ich habe ja auch meine 
eigenen Themen. 
Sie waren im Februar auch an der Gedenkfeier für 
Menschen, die an Drogen und ihren Folgekrankheiten 
gestorben sind, und im Kiosk hängt die Gedenkkarte mit 
den Namen der Verstorbenen und dem Habakuk-Spruch 
«Jeder Mensch hat eine eigene Farbe». Warum? 
Ich kannte viele der Verstorbenen. Ich wollte im Februar Ab- 
schied nehmen und für sie beten. Die Karte hilft mir, sie nicht 
zu vergessen. 
Gibt es etwas, das Sie den GAZ-Lesenden für den Umgang 
mit den Menschen auf der Gasse mitgeben möchten? 
«Ein gutes Wort kostet nichts.» Wie alle anderen Menschen 
schätzen es Sucht- und Armutsbetroffene, wenn man ih- 
nen sensibel und menschlich begegnet und ihnen etwas Zeit 
schenkt. Es kommt auch vieles zurück. 
Ich erinnere mich zum Beispiel gerne an diese Geschich- 
te: Ich sass in einem Restaurant in einem anderen Kanton. 
Der Serviceangestellte schaute mich beim Bestellen verdutzt 
an, sagte aber nichts. Ich überlegte während dem ganzen Es- 
sen, woher ich ihn kenne, bis es mir plötzlich einfiel: Er hatte 
als Jugendlicher auf der Strasse gelebt und kam ab und zu bei 
meinem Kiosk vorbei, weil er bei mir ein Sandwich oder eine 
Cola geschenkt bekam. 
Nach dem Bezahlen sagte ich zu ihm: «Ich glaube, wir ken- 
nen uns?» Er schaut mich liebevoll an und antwortet: «Kann 
gut sein. Ich danke dir ...» Das war alles – es bleibt mir aber tief 
im Herzen ... 
Dann sage ich jetzt dieses wertvolle Wort gerne ebenfalls: 
Danke für dieses Gespräch! 
Das Interview führte Valentin Beck 
Seelsorger Gassenarbeit 
Frau José Otero bei der Arbeit Bild GAZ 
GasseZiitig Lozärn    Nr. 78    Herbst 2022 
5 
ÜBER LEBEN 
Der Quartier-Kiosk als 
Insel der Begegnung 
Frau San José Otero ist eine lokale Prominenz. Direkt an der Bushaltestelle, mitten im Moosmattquartier gelegen, 
ist ihr Strassenkiosk eine Begegnungsinsel für Menschen im Quartier – auch für Besuchende der nahe gelegenen 
GasseChuchi. Mit vielen pflegt die Kioskbetreiberin ein herzliches Verhältnis – oft seit Jahrzehnten. Gerade in der 
Zeit des Kiosksterbens höchste Zeit für ein GAZ-Interview.
	        

Institution

 
Zentral-und Hochschulbibliothek Luzern

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